Die bisherigen Eindrücke der Tour werden ab Frankfurt/Oder
bis Lebus erheblich getrübt, denn nun verläuft die
Route ca. 6 km auf der B112. Man könnte zu dem Schluß
kommen, die Autofahrer der B112 mögen keine Radfahrer ...
Lebus war im Mittelalter Bistumssitz - wir konnten diesbezüglich
keinerlei Sehenswürdigkeiten ausmachen. Ab Lebus allerdings
legte sich der Frust sehr schnell, denn in der flachen Bruchlandschaft
und auf dem Deich ist das Fahrradfahren wieder ein unvergessliches
Vergnügen.
Beendet haben wir die 1. Etappe in Küstrin-Kietz - wir befinden
uns nun im Oderbruch.
Die Quatiersuche entlang der Oder ist auf Grund der geringen
Besiedelungsdichte nicht immer ganz einfach - in Küstrin-Kietz
hatten wir aber Glück, dort verwies uns ein Hinweisschild
auf das Privatquartier von Frau Lietz, wo wir sehr gut untergebracht
waren.
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Der Oderbruch hat eine Gesamtfläche von 920 km² und erstreckt sich knapp 60 km lang sowie 12-20 km breit zwischen den Städten Oderberg und Bad Freienwalde im Nordwesten und Lebus im Südosten. Im Westen wird der Oderbruch durch die Barnimer Hochfläche und die Region Lebus begrenzt - die östliche Begrenzung bilden das Neumärkische Hügelland und die Warthe-Niederung.
Der Oderbruch war vor seiner Urbarmachung nicht besiedelbar und nutzbar, da dieses Gebiet zweimal im Jahr unter Wasser stand. Preußenkönig Friedrich II. veranlasste vor über 250 Jahren die Begradigung des Oder-Flußbetts (Oderkanal) und die Trockenlegung der ausgedehnten Sumpfgebiete durch Eindeichung und Melioration des Gebietes. Die Urbarmachung des Oderbruchs gilt als eine grandiose technische Leistung. |
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Im Rahmen der Trockenlegung des Oderbruchs wurde unter Leitung des Holländers Leonhard von Haerlem von 1747 bis 1753 der Oderkanal von Güstebiese (heute Fährstation) bis Hohensaaten gebaut, der den alten Verlauf der Oder um 25 km verkürzt. |
Küstrin-Kietz bis Zützen (92,2 km)
Ab Küstrin-Kietz geht es, wie bei der letzten Etappe, auf
oder entlang des Oderdammes weiter. Der Radweg führt ins
o.g. Oderbruch. Typisch für diese Region ist die besonders
gut gedeihende Flora und Fauna - Störche, Kormorane und
Reiher sind häufige Begleiter.
Ein Stück weiter beginnt
der Nationalpark "Unteres Odertal", eine einmalige
mitteleuropäische Flussauenlandschaft mit vielen seltenen
Pflanzen- und Tierarten. Mit seinen alljährlichen Überflutungen
ist das untere Odertal ein europäisch bedeutendes Brut-,
Rast- und Überwinterungsgebiet seltener und gefährdeter
Vogelarten. Auf dem Weg nach Zützen passierten wir Stolpe
mit seinem "Grützpott", eines der stärksten
Burgfriede in Deutschland aus dem 12. Jh. (5 m Mauerstärke).
Weiter gings über Criewen, einem
ehemalige slawischen Fischerdorf mit barocker Schlossanlage und
Landschaftspark, der 1822 von Peter Lenné angelegt wurde.
Vier km vor Schwedt/Oder erreichten wir das Ziel unserer 2. Etappe,
wo wir im Landhotel gut untergebracht wurden.
Zützen bis Löcknitz (82,0km)
Die 3. Etappe führte durch Schwedt/Oder auf nagelneuen Fahrradwegen
entlang eines Oderseitenarmes, vorbei an vielen, neuen Eigenheimen
- weiter über Vierraden durch das untere Odertal. In Vierraden
informiert ein Museum über die Geschichte der Tabakindustrie.
Der Nationalpark "Unteres Odertal" erstreckt sich vom
Oderbruch ab Hohensaaten bis Mescherin/Staffelde. Wir passierten
die historische Stadt Gartz und erreichten schliesslich Mescherin.
Hier erlebten wir ein 5 jähriges Hotel-Jubiläum - inklusive
Freibierausschang. Wir feierten eine kurze Zeit mit, bevor wir
die Oder verliessen und zielstrebig Mecklenburg-Vorpommern ansteuerten.
Bis zur Landesgrenze allerdings mußten nun die beschwerlichsten
Wege dieser Radtour, bestehend aus Kopfsteinpflaster und Feldwegen,
bewältigt werden. Gott sei Dank nur ca. 3 km.
Schließlich erreichten wir Penkun und besichtigeten dort
das Schloss (1600 im Stil der Spätrenaissance erbaut), das
von drei Seen umgeben ist. Anschliessend fuhren wir weiter nach
Löcknitz, dem Ziel unserer 3. Etappe. Dort bestaunten wir
eine tausendjährige Eiche und besichtigten den Burgfried.
In Sachen Quatier erlebten wir hier ein Desaster. Ein Hotel war
ausgebucht, das andere existierte nicht mehr, die in der Umgebung
uns bekannten Privatquartiere waren entweder belegt oder derzeit
nicht bewirtschaftet. Die Aushänge der Touristeninformation
gaben auch keinerlei Quartiermöglichkeiten her. Dazu kam,
dass der Zugverkehr zum nächst größeren Ort unterbrochen
war, so dass wir letzlich glücklich sein mußten, dass
uns ein als Schienenersatzverkehrsfahrzeug eingesetzter Bus inklusive
Räder nach Pasewalk mitnahm.
Eigentlich wollten wir bis Uekermünde fahren - wir brachen
aber aus den o.g. Gründen unsere Radtour ab, bestiegen den
Zug und fuhren nach Hause. |