Oder-Radweg ( Wellmitz - Löcknitz: 267,0 km )
Laut Umfrage des ADFC belegt der Oder-Neiße-Radweg von mehr als 400 Radfernwegen den Platz 6 der beliebtesten Radfernwege Deutschlands und gilt als attraktivste Radstrecke Ostdeutschlands ! Das nahmen wir zum Anlass, eine Radtour von Ratzdorf, hier mündet die Neiße in die Oder, bis Uekermünde zum Stettiner Haff zu unternehmen. Dazu fuhren wir per Bahn von Berlin nach Willmitz ( 2 * Pers. inkl. Räder = 26 EUR ) und von dort per Rad ca. 3 km nach Ratzdorf, wo die eigentliche Tour begann.Der Bahntransport inkl. 1* umsteigen klappte problemlos.
 

 Stolpe - "Grützpott"


Wellmitz - Ratzdorf bis Küstrin-Kietz (92,8 km)
In Ratzdorf empfing uns in beruhigender Weise die Beschilderung des Oder-Neiße Radwegs sowie ein asphaltierter Fahrradweg. Der überwiegende Teil der Route verlief auf solchen Wegen entlang der Oder-Deichanlagen, meistens auf dem Deich oder neben dem Deich bis zu unserem 1. Etappenziel: Küstrin-Kienitz - allerdings mit einer doch sehr strapaziösen Ausnahme: der Abschnitt Frankfurt/Oder bis Lebus.
Gleich zu Beginn der Tour ist schon von weit die katholische Stiftskirche St.Marien des einstigen Zisterzienserklosters in Neuzellezu sehen. Neuzelle liegt ca. 3 km vom Radweg entfernt und besitzt die einzige praktizierende Klosterbrauerei und -brennerei Brandenburgs.
Nach ca. 11 km passierten wir die Altstadt von Eisenhüttstadt (Fürstenberg) - Eisenhüttenstadt ist mit ihrer Eisen- und Stahlproduktion eine wichtige Industriestadt der Region. Anschließend führt die Route weiter in die Universitätsstadt Frankfurt/ Oder. Hier sind neben historischen Gebäuden der Lenné-Park sehenswert.
Die bisherigen Eindrücke der Tour werden ab Frankfurt/Oder bis Lebus erheblich getrübt, denn nun verläuft die Route ca. 6 km auf der B112. Man könnte zu dem Schluß kommen, deutsche Autofahrer mögen keine Radfahrer ...
Lebus war im Mittelalter Bistumssitz - wir konnten diesbezüglich keinerlei Sehenswürdigkeiten ausmachen. Ab Lebus allerdings legte sich der Frust sehr schnell, denn in der flachen Bruchlandschaft und auf dem Deich ist das Fahrradfahren wieder ein unvergessliches Vergnügen.
Beendet haben wir die 1. Etappe in Küstrin-Kietz - wir befinden uns nun im Oderbruch.
Die Quatiersuche entlang der Oder ist auf Grund der geringen Besiedelungsdichte nicht immer ganz einfach - in Küstrin-Kietz hatten wir aber Glück, dort verwies uns ein Hinweisschild auf das Privatquartier von Frau Lietz, wo wir sehr gut untergebracht waren.

  Der Oderbruch zieht sich bis zwanzig Kilometer Breite die Oder entlang und ist mit seinen Auen, Deichen und Fließen eine Naturschönheit ohne Ende.
Preußenkönig Friedrich II. veranlasste vor über 250 Jahren die Begradigung des Oder-Flußbetts von über 20 km und die Trockenlegung der ausgedehnten Sumpfgebiete.
Von Oderberg im Norden über Wriezen bis Lebus im Süden - 60 km in der Länge und 17 km in der Breite, auf einer Fläche von 60000 ha ist die größte Eindeichung an einem deutschen Strom entstanden.


Küstrin-Kietz bis Zützen (92,2 km)
Ab Küstrin-Kietz geht es, wie bei der letzten Etappe, auf oder entlang des Oderdammes weiter. Der Radweg führt ins o.g. Oderbruch. Typisch für diese Region ist die besonders gut gedeihende Flora und Fauna - Störche, Kormorane und Reiher sind häufige Begleiter. Ein Stück weiter beginnt der Nationalpark "Unteres Odertal", eine einmalige mitteleuropäische Flussauenlandschaft mit vielen seltenen Pflanzen- und Tierarten. Mit seinen alljährlichen Überflutungen ist das untere Odertal ein europäisch bedeutendes Brut-, Rast- und Überwinterungsgebiet seltener und gefährdeter Vogelarten. Auf dem Weg nach Zützen passierten wir Stolpe mit seinem "Grützpott", eines der stärksten Burgfriede in Deutschland aus dem 12. Jh. (5 m Mauerstärke). Weiter gings über Criewen, einem
ehemalige slawischen Fischerdorf mit barocker Schlossanlage und Landschaftspark, der 1822 von Peter Lenné angelegt wurde.
Vier km vor Schwedt/Oder erreichten wir das Ziel unserer 2. Etappe, wo wir im Landhotel gut untergebracht wurden.

Zützen bis Löcknitz (82,0 km)
Die 3. Etappe führte durch Schwedt/Oder auf nagelneuen Fahrradwegen entlang eines Oderseitenarmes, vorbei an vielen, neuen Eigenheimen - weiter über Vierraden durch das untere Odertal. In Vierraden informiert ein Museum über die Geschichte der Tabakindustrie.
Der Nationalpark "Unteres Odertal" erstreckt sich vom Oderbruch ab Hohensaaten bis Mescherin/Staffelde. Wir passierten die historische Stadt Gartz und erreichten schliesslich Mescherin. Hier erlebten wir ein 5 jähriges Hotel-Jubiläum - inklusive Freibierausschang. Wir feierten eine kurze Zeit mit, bevor wir die Oder verliessen und zielstrebig Mecklenburg-Vorpommern ansteuerten. Bis zur Landesgrenze allerdings mußten nun die beschwerlichsten Wege dieser Radtour, bestehend aus Kopfsteinpflaster und Feldwegen, bewältigt werden. Gott sei Dank nur ca. 3 km.
Schließlich erreichten wir Penkun und besichtigeten dort das Schloss (1600 im Stil der Spätrenaissance erbaut), das von drei Seen umgeben ist. Anschliessend fuhren wir weiter nach Löcknitz, dem Ziel unserer 3. Etappe. Dort bestaunten wir eine tausendjährige Eiche und besichtigten den Burgfried. In Sachen Quatier erlebten wir hier ein Desaster. Ein Hotel war ausgebucht, das andere existierte nicht mehr, die in der Umgebung uns bekannten Privatquartiere waren entweder belegt oder derzeit nicht bewirtschaftet. Die Aushänge der Touristeninformation gaben auch keinerlei Quartiermöglichkeiten her. Dazu kam, dass der Zugverkehr zum nächst größeren Ort unterbrochen war, so dass wir letzlich glücklich sein mußten, dass uns ein als Schienenersatzverkehrsfahrzeug eingesetzter Bus inklusive Räder nach Pasewalk mitnahm.
Eigentlich wollten wir bis Uekermünde fahren - wir brachen aber aus den o.g. Gründen unsere Radtour ab, bestiegen den Zug und fuhren nach Hause.



Datum Start Ziel Strecke [km]
08.08.2002 Wellmitz Küstrin-Kietz 92,8
09.08.2002 Küstrin-Kietz Zützen 92,2
10.08.2002 Zützen Löcknitz 82,0

Löcknitz

Ueckermünde

 



Streckenverlauf :