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Wellmitz - Ratzdorf bis Küstrin-Kietz
(92,8 km)
In Ratzdorf empfing uns in beruhigender Weise die Beschilderung
des Oder-Neiße Radwegs sowie ein asphaltierter Fahrradweg.
Der überwiegende Teil der Route verlief auf solchen Wegen
entlang der Oder-Deichanlagen, meistens auf dem Deich oder neben
dem Deich bis zu unserem 1. Etappenziel: Küstrin-Kienitz
- allerdings mit einer doch sehr strapaziösen Ausnahme:
der Abschnitt Frankfurt/Oder bis Lebus.
Gleich zu Beginn der Tour ist schon von weit die katholische
Stiftskirche St.Marien des einstigen Zisterzienserklosters in
Neuzellezu sehen. Neuzelle liegt ca. 3 km vom Radweg entfernt
und besitzt die einzige praktizierende Klosterbrauerei und -brennerei
Brandenburgs.
Nach ca. 11 km passierten wir die Altstadt von Eisenhüttstadt
(Fürstenberg) - Eisenhüttenstadt ist mit ihrer Eisen-
und Stahlproduktion eine wichtige Industriestadt der Region.
Anschließend führt die Route weiter in die Universitätsstadt
Frankfurt/ Oder. Hier sind neben historischen Gebäuden der
Lenné-Park sehenswert.
Die bisherigen Eindrücke der Tour werden ab Frankfurt/Oder
bis Lebus erheblich getrübt, denn nun verläuft die
Route ca. 6 km auf der B112. Man könnte zu dem Schluß
kommen, deutsche Autofahrer mögen keine Radfahrer ...
Lebus war im Mittelalter Bistumssitz - wir konnten diesbezüglich
keinerlei Sehenswürdigkeiten ausmachen. Ab Lebus allerdings
legte sich der Frust sehr schnell, denn in der flachen Bruchlandschaft
und auf dem Deich ist das Fahrradfahren wieder ein unvergessliches
Vergnügen.
Beendet haben wir die 1. Etappe in Küstrin-Kietz - wir befinden
uns nun im Oderbruch.
Die Quatiersuche entlang der Oder ist auf Grund der geringen
Besiedelungsdichte nicht immer ganz einfach - in Küstrin-Kietz
hatten wir aber Glück, dort verwies uns ein Hinweisschild
auf das Privatquartier von Frau Lietz, wo wir sehr gut untergebracht
waren.
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Der Oderbruch
zieht sich bis zwanzig Kilometer Breite die Oder entlang und
ist mit seinen Auen, Deichen und Fließen eine Naturschönheit
ohne Ende.
Preußenkönig Friedrich II. veranlasste vor über
250 Jahren die Begradigung des Oder-Flußbetts von über
20 km und die Trockenlegung der ausgedehnten Sumpfgebiete.
Von Oderberg im Norden über Wriezen bis Lebus im Süden
- 60 km in der Länge und 17 km in der Breite, auf einer
Fläche von 60000 ha ist die größte Eindeichung
an einem deutschen Strom entstanden. |
Küstrin-Kietz bis Zützen
(92,2 km)
Ab Küstrin-Kietz geht es, wie bei der letzten Etappe, auf
oder entlang des Oderdammes weiter. Der Radweg führt ins
o.g. Oderbruch. Typisch für diese Region ist die besonders
gut gedeihende Flora und Fauna - Störche, Kormorane und
Reiher sind häufige Begleiter. Ein Stück weiter beginnt
der Nationalpark "Unteres Odertal", eine einmalige
mitteleuropäische Flussauenlandschaft mit vielen seltenen
Pflanzen- und Tierarten. Mit seinen alljährlichen Überflutungen
ist das untere Odertal ein europäisch bedeutendes Brut-,
Rast- und Überwinterungsgebiet seltener und gefährdeter
Vogelarten. Auf dem Weg nach Zützen passierten wir Stolpe
mit seinem "Grützpott", eines der stärksten
Burgfriede in Deutschland aus dem 12. Jh. (5 m Mauerstärke).
Weiter gings über Criewen, einem
ehemalige slawischen Fischerdorf mit barocker Schlossanlage und
Landschaftspark, der 1822 von Peter Lenné angelegt wurde.
Vier km vor Schwedt/Oder erreichten wir das Ziel unserer 2. Etappe,
wo wir im Landhotel gut untergebracht wurden.
Zützen bis Löcknitz
(82,0 km)
Die 3. Etappe führte durch Schwedt/Oder auf nagelneuen Fahrradwegen
entlang eines Oderseitenarmes, vorbei an vielen, neuen Eigenheimen
- weiter über Vierraden durch das untere Odertal. In Vierraden
informiert ein Museum über die Geschichte der Tabakindustrie.
Der Nationalpark "Unteres Odertal" erstreckt sich vom
Oderbruch ab Hohensaaten bis Mescherin/Staffelde. Wir passierten
die historische Stadt Gartz und erreichten schliesslich Mescherin.
Hier erlebten wir ein 5 jähriges Hotel-Jubiläum - inklusive
Freibierausschang. Wir feierten eine kurze Zeit mit, bevor wir
die Oder verliessen und zielstrebig Mecklenburg-Vorpommern ansteuerten.
Bis zur Landesgrenze allerdings mußten nun die beschwerlichsten
Wege dieser Radtour, bestehend aus Kopfsteinpflaster und Feldwegen,
bewältigt werden. Gott sei Dank nur ca. 3 km.
Schließlich erreichten wir Penkun und besichtigeten dort
das Schloss (1600 im Stil der Spätrenaissance erbaut), das
von drei Seen umgeben ist. Anschliessend fuhren wir weiter nach
Löcknitz, dem Ziel unserer 3. Etappe. Dort bestaunten wir
eine tausendjährige Eiche und besichtigten den Burgfried.
In Sachen Quatier erlebten wir hier ein Desaster. Ein Hotel war
ausgebucht, das andere existierte nicht mehr, die in der Umgebung
uns bekannten Privatquartiere waren entweder belegt oder derzeit
nicht bewirtschaftet. Die Aushänge der Touristeninformation
gaben auch keinerlei Quartiermöglichkeiten her. Dazu kam,
dass der Zugverkehr zum nächst größeren Ort unterbrochen
war, so dass wir letzlich glücklich sein mußten, dass
uns ein als Schienenersatzverkehrsfahrzeug eingesetzter Bus inklusive
Räder nach Pasewalk mitnahm.
Eigentlich wollten wir bis Uekermünde fahren - wir brachen
aber aus den o.g. Gründen unsere Radtour ab, bestiegen den
Zug und fuhren nach Hause.
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